Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)

  • Unterstützung für Betroffene und Angehörige in der Akutphase nach potentiell psychisch traumatisierenden Ereignissen.          
  • KRISE – überraschendes Ereignis, akutes Geschehen, schmerzhafter seelischer Zustand oder Konflikt, innerhalb einer oder mehreren Personen, keine Problemlösungsmöglichkeiten vorhanden, Zusammenbrechen der Wertesysteme und
    bisheriger Erfahrungen
  • Die Entstehung einer Krise kann durch zwei Faktoren bedingt sein: zum einen davon, wie die betroffenen Menschen die Situation subjektiv wahrnehmen; zum anderen durch das offensichtliche Vorhandensein einer momentanen Überforderung und Ausweglosigkeit durch die Außergewöhnlichkeit der Situation.

 

  • 1. Phase Schock/Nicht haben wollen
  • Schmerz abspalten, Gefühl der Leere, Traum, nicht real, Leugnen des Problems, der Krankheit
  • Stunden-Tage-Wochen
  • 2. Phase Aufbrechen/Reaktionsphase/Chaotische Emotion
  • Schmerz, Wut, Angst, Freude, Schuld, Gefühl sich zusammennehmen zu müssen, Infektanfälligkeit, Träume, Schlafstörungen, schwer zu ertragen, Gefühle werden abgespalten, Unruhe, Zweifel, Selbstwert, Frust
  • 3. Phase Suchen, Finden/Bearbeitungsphase
  • Lücke, Funktion des Verstorbenen, Ersatz, Reflektion, Zufriedenheit stellt sich ein, Krankheit, Akzeptanz, Eigenverantwortung fürs eigene Leben
  • Lösen von allen Gewohnheiten
  • 4. Phase Neuorientierung/Neuer Selbst- und Weltbezug
  • Hilfe von Außen, Öffnung Umwelt, Loslassen Schmerz, Neue Beziehungen, Neue Verhaltens- und Lebensweisen, Lebensmodelle
  • Reintegration – Krisenlösung!!!

Begleitung nach Akuttraumata

Grundregeln in einer psychischen Schocksituation  –  „Safer-Modell“ nach Mitchell

  • S Stabilisieren, Abschotten, Reduzieren weiterer Sinneseindrücke, Sicherheit herstellen damit alle Hirnregionen wieder arbeiten können, Grundversorgung mit Essen, Trinken und Wärme
  • A Akzeptanz der Krise, Empfindungen/Gefühle
  • F Falsche Einschätzungen/Bewertung korrigieren „Ich hätte es verhindern müssen“ diese falschen Selbstbewertungen sollten direkt in der Situation korrigiert werden
  • E Erklären von normalen Stressreaktionen (Psychoedukation), plötzliche Gefühle und Erinnerungsbilder erscheinen um verarbeitet zu werden
  • R Rückführung in die Alltagsroutine
  • Rückgewinn von Handlungsfähigkeit, Ausblick und Perspektive

Psychosoziale Notfallversorgung

PSNV 3Satz = eigene Handlungskompetenz in der Situation

Praxisbuch Krisenintervention, Alexander Nikendei
Stumpf + Kossendey mbH, Edewecht 2012

zu 1. Vollständige Akzeptanz der aktuellen Situation vermeidet stressbedingten inneren Handlungsdruck
zu 2. Ich nehme eigene Reaktionen und Befindlichkeiten wahr, nötige Distanz, Anzeichen von Stress
zu 3. Emotionale Bedürfnisse, Bedarf nach Information zur Situation

Traumahilfe Allgäu in Kempten - Marion Scheuerer - PSNV -Grundsatz

Leitfaden PSNV Maßnahmen

Begleitung von betroffenen Personen am Unfallort oder nach außergewöhnlich belastenden Ereignissen

  • Beziehungsaufbau/Kontakt herstellen
  • Abschotten vom Unfallort
  • Ruhige Atmosphäre schaffen
  • Aktuellen Zustand und Bedürfnisse feststellen, auf dringende Themen eingehen
  • Sag dass Du da bist und da bleibst
  • Sag wer Du bist und erkläre was geschieht
  • Überblick geben: was ist bisher passiert, was geschieht gerade, was folgt
  • Körperkontakt nur nach Abklärung und Erlaubnis an Schulter, Arm, Hand
  • Hör aktiv zu, ungeteilte Aufmerksamkeit, nicht unterbrechen
  • Kongruente Körpersprache, Offene Körperhaltung
  • Pausen aushalten
  • Ich Botschaften fördern
  • In kurzen und einfachen Sätzen sprechen
  • Langsam, klar und deutlich sprechen/Gesagtes wiederholen
  • Nicht urteilen, nicht bewerten, nicht beschwichtigen
  • Orientierung, Stabilisieren
  • Ressourcen aktivieren, Handlungsfähigkeit des Betroffenen fördern

 

Gefahren und Grenzen der Akutbetreuung

  • Eigenschutz und Selbstwahrnehmung vernachlässigen
  • Zu emotionales Arbeiten
  • Eigenständige Ressourcenaktivierung behindern
  • Abwehrsignale des Betroffenen nicht wahrnehmen „Zwangsbetreuung“

 

Weiter Anforderung an die begleitende Person

Überblick über Situation permanent erneuern

Rasche Auffassungsgabe

Große Offenheit

Flexibilität

Einfühlungsvermögen

Eigene Stabilität

Vermittlerrolle

Eigene Grenzen kennen und wahrnehmen

Hilfe einfordern

ICD-10  F43.0   akute Belastungsreaktion

Eine vorübergehende Störung von beträchtlichem Schweregrad, die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche körperliche und seelische Belastung entwickelt, und im Allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt.

Die erste Reaktion auf eine akute Belastungssituation ist eine Peritraumatische Dissoziation = Zustand von Konstriktion (emotionale Abschaltung) und Hypervigilanz (emotionale Übererregung). Die Konstriktion kann die gesamte Zeit andauern, Abläufe und Handlungen werden automatisiert ausgeführt. In der Phase der Entspannung zeigen sich dann möglicherweise erste Emotionen, Todesangst, vegetative Erregung, Weinkrämpfe, Zitteranfälle und Realitätsverlust. In den ersten Wochen beschreiben die Betroffenen das Gefühl „in Watte gepackt“ zu sein. Sie wollen vermehrt über das Ereignis sprechen oder das Thema wird vermieden/verdrängt. Das Pendeln zwischen Intrusionen (einschießender Erinnerungen) und Konstriktion (Abschalten) dient der Verarbeitung dieser traumatischen Erfahrung. Ein vertrautes Umfeld und das Gefühl von Sicherheit bieten gute Voraussetzungen und helfen beim Verarbeitungsprozess.

  • Erkennen von Stressreaktionen und -symptomen
  • physisch: Zunahme Puls und Atmung, Herzrasen, veränderte Gesichtsfarbe, starkes Schwitzen, Veränderung des Tonfalls, verschlechterte Artikulation, unkontrollierte Bewegungen von Körperteilen, Muskelzittern, Übelkeit, Magenschmerzen, Erschöpfungserscheinungen, Schlafstörungen, Alpträume
  • emotional: Trauer und überflutendes Mitleid angesichts des Geschehens, Schuldgefühle, Aggression gegen die Situation als solche, Gefühl genereller Ohnmacht, Traurigkeit und niedergedrückte Stimmung, Angstzustände
  • kognitiv: bedrohlich aufbrechende Sinnfrage angesichts eines offensichtlich sinnlosen Geschehens, die abrupte Erkenntnis menschlicher und damit eigener Verwundbarkeit, Abschalten des Verstandes, blindes Agieren als Ausdruck kompletter Überforderung, Verlust bisheriger Glaubens- und Wertvorstellungen
  • Quelle: Leitfaden PSNV für Feuerwehrangehörige

Krisencoaching

  • Krisen sind Persönlichkeitsentwicklung
  • Kleine & große Krisen 
  • Lebenskrisen
  • Krisen sind immer auch Ausdruck der eigenen Grenzen

 

Krisen haben mehr mit uns selbst zu tun als uns bewusst ist, sowohl in ihrer Entstehung als auch in ihrer Lösung.

Psychische Krisen können unabhängig von Alter, Bildung, Beruf und sozialem Status auftreten. Eine Krise kann aus einer kurzfristig einwirkenden Stressreaktion wie nach Schock aufgrund einer Gefahrensituation resultieren oder die Folge einer länger andauernden Belastung sein. Die Ursachen sind vielfältig zum Beispiel durch Verlusterlebnisse, Enttäuschungen, traumatische Ereignisse, psychosoziale Konflikte, lebensverändernde Umstände oder Entwurzelung. Chronische Erkrankungen, Diagnosen, Operationen oder Verkehrsunfälle können schwerwiegende Veränderungen für das eigenen Leben bedeuten.

Eine akute Krise beinhaltet den Verlust des inneren Gleichgewichtes. Die Menschen werden mit Situationen oder Lebensumständen konfrontiert, die aktuell nicht bewältigt werden können oder in denen die üblichen Verhaltensstrategien nicht mehr wirken. Das eigene Verhalten, Denken und Fühlen ist gestört. Gedanken drehen sich im Kreis, die Gefühle sind nur noch schwer wahrnehmbar oder zu intensiv und schwer zu kontrollieren.

 

KRISEN       Scheideweg, Trennung, Entscheidung

Trauer · Angst · Wut· Ohnmacht · Hoffnungslosigkeit · Einsamkeit

 

Sobald in einer akuten Situation unmittelbare Selbst- und Fremdgefährdung besteht, sollten Sie nicht zögern umgehend einen psychiatrischen Notdienst oder den Rettungsdienst (112) oder die Polizei zu verständigen! Danke!        

Coaching Prozess

  1. Krisenerfahrung – Krisenanlass verstehen
  2. Krisendefinition
  3. Gefühle ausdrücken – Stabilisierung und Kreativität
  4. Bewältigungsstrategien reaktivieren und mit Realität konfrontieren
  5. Suche nach neuen Lösungen – Entwickeln neuer Strategien
  6. Rückblick und Bilanz – Reflexion und Festigung

Konkretes Tun ist wichtig!

Eigene Ziele definieren!

Persönlichkeitsentwicklung braucht Geduld!

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